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ENTWÜRFE DES WETTBEWERBES NEUGESTALTUNG THEATERVORPLATZ

Mit der Sanierung des Badischen Staatstheaters werden funktionale, nachhaltige und barrierefreie Räume für unsere Zuschauer*innen – und für alle Bewohner*innen und Besucher*innen der Stadt Karlsruhe geschaffen. Der Wandel in ein offenes Haus für alle, ein „Wohnzimmer für die Stadt“ erstreckt sich auch auf den Theatervorplatz. Hier entsteht eine neue Verbindung zwischen traditionsreicher Stadtmitte und lebendiger Südstadt.

In der Bekanntmachung zum Wettbewerb zur Neugestaltung Hermann-Levi-Platz heißt es:

"Ziel des Wettbewerbs ist die landschaftsarchitektonische Neugestaltung des öffentlichen Umfeldes des Staatstheaters in Karlsruhe. Gesucht wird ein freiraumplanerischer Entwurf, der an diesem besonderen Ort für Karlsruhe dem architektonischen Kulturensemble ein adäquates zeitgemäßes und repräsentatives Äquivalent im Öffentlichen Raum bietet. Gleichzeitig soll dieser wichtige Stadtraum im Zeichen des Dialogs, der Kulturkommunikation und der Klimaanpassung stehen."

Die Jury hat sich am 28. Oktober 2021 in dem nichtoffenen, freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb aus 17 eingereichten Arbeiten in der Nancyhalle in Karlsruhe einstimmig für den Entwurf des Büros

bbz landschaftsarchitekten aus Berlin ausgesprochen.

"Nach dem Urteil der Jury besteht die freiraumplanerische Grundidee des Siegerentwurfs von bbz Landschaftsarchitekten aus großen Bauminseln, die den räumlichen Rahmen des neuen Theaterplatzes bilden und in ihrer Formensprache Be-zug zum Theaterbau selbst aufnehmen. In diesem Gerüst werden alle Funktionen des Platzes zu einer Gesamtkomposition zusammengeführt. Die Jury würdigte insbesondere den Erhalt und die Ergänzung des Baumbestandes als grüne Fassung des Platzes als starke Intention des Projekts. Als gelungen wird das differenzierte Angebot an Nutzungen gewürdigt, das neben der Funktion als Theaterplatz ein Aufenthalts- und Spielangebot ermöglicht und sich in der multifunktionalen Ausbildung der Kanten der Bauminseln zeigt. Die Platzfläche soll zusätzlich durch ein Wasserspiel, das aus Regenwasser gespeist wird, strukturiert werden."

(die komplette PM des Finanzministeriums finden Sie HIER)

 

1. Preis:

bbz landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

Plan 1:500

Visualisierung @ Julia Kattinger

Begründung der Jury:

"Große grüne Bauminseln bilden den räumlichen Rahmen des neuen Theaterplatzes und nehmen in ihrer polygonalen Formensprache Bezug zum Theaterbau selbst. In dieses polygonale Gerüst werden alle anderen Funktionen wie Wege, Platz und Wasserflächen gestalterisch einbezogen und zu einer Gesamtkomposition gefügt. Es entsteht ein großer einladender Platzraum vor dem Theater, der die räumlichen Anforderung der Gastronomie und der LED Leinwand problemlos integriert und die Wegeverbindungen in die Stadt und zu den TG Eingängen richtig setzt. Der Baumbestand kann erhalten werden. Der Rand zur Kriegsstraße und der Ettlinger Straße wird zusätzlich mit einer Baumreihe betont, die an manchen Stellen z.B. TG-Ausfahrt und FW-Zufahrt und Ettlinger Straße so nicht realisierbar ist. Die betont grüne Fassung ist eine starke Intention des Projektes.

Der auf den ersten Blick unspezifisch wirkende Entwurf entfaltet im Detail ein differenziertes Angebot der Nutzung. Die Bauminseln sind mit einer multifunktionalen Kante ausgebildet, die auf die jeweilige Situation spielerisch reagiert und jenseits der repräsentativen Theaterfunktion ein Aufenthalts und Spielangebot in sich birgt wie Sitzen, Balancieren, Liegen, Skaten. Die Großformatigkeit der Ortbetonplatten greift den großzügigen Maßstab des Umfeldes auf und versucht mit seinem Fugenspiel eine  Strukturierung der großen Platzfläche, die dennoch zu groß ausfällt und durchaus zugunsten der Baumfelder bzw. der grünen Felder hätte reduziert werden können.

Das Oberflächenwasser wird durch entsprechende Neigung der Plattenflächen wird die Bauminseln geleitet. Das Wasserspiel wird über unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheiten und Fugenbreite dreidimensional lesbar und kann die Platzfläche zusätzlich strukturieren. Es wird von Regenwasser gespeist und mit Fontänen bespielt und bildet ein dauerhaftes Element. Das Lichtkonzept fällt in der Fläche bewusst zurückhaltend aus, lediglich die Aufkantungen werden betont. Die prominente Lage des Musengauls wird kontrovers kommentiert. Insgesamt bildet der Entwurf einen konstruktiven Beitrag zur Aufgabenstellung."

2.Preis:

hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Plan 1:500

Begründung der Jury:

"Die Arbeit ist gekennzeichnet durch eine großzügige zusammenhängende Platzfläche, in die eine vielfältig nutzbare Wiesenfläche eingelassen ist. Die wichtigsten Wegebezüge sind aufgegriffen und funktional bewältigt. Vor dem Haupteingang zum Theater entsteht ein gut dimensionierter und proportionierter Platz. Die große Treppe orientiert sich auf ein Fontänenfeld, welches dadurch eine gute Position erhält. Der erhöhte Rand der Wiese dient der Ruhe und Entspannung, insgesamt wird ein Spektrum unterschiedlicher Aufenthaltsflächen nicht nur für Theaterbesucher, sondern auch für die Bewohner des Quartiers entwickelt. Bedauert wird, dass eine Tiefgarage nur wenige Baumpflanzungen zur Schattenbildung und Verdunstung zulässt.
Das vorgeschlagene Material Muschelkalk für die Platzfläche leitet sich aus regionalen Zusammenhängen ab und ist nachhaltig, aber kostspielig in der Investition. Das notwendige Retentionsvolumen für das Oberflächenwasser ist im Rasenparterre integriert. Die Ausstattungselemente sind gezielt und wohltuend zurückhaltend verwendet. Die Aufkantung des Rasenparterres macht Möbel überflüssig bzw. integriert sie. Der Unterhalt ist mit überschaubaren Mitteln im üblichen Rahmen zu bewältigen.
Insgesamt wird ein Entwurf vorgelegt, welcher der besonderen städtebaulichen Situation, dem Anspruch des  Theatergebäudes und den Belangen der Theaterbesucher und denen der Quartiersbewohner gerecht wird."

3. Preis:

Topotek 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

Plan 1:500

Begründung der Jury:

"Der Entwurf für die Neugestaltung des Herrmann Levi Platzes in Karlsruhe basiert auf der Historie der Stadt: Karlsruhe wurde als Planstadt in einem Waldgebiet errichtet, die Verfasser*innen wollen über eine waldartige Pflanzung auf dem Platz an die Geschichte erinnern. Dazu wird an der Ettlinger Straße ein Patchwork aus Hochbeeten errichtet, die ihre Formensprache aus der Kubatur des neuen Staatstheaters ableiten. Vor dem Theater wird ein offener Platz ausgebildet, die Bodenbeläge sollen durchgängig in Ortbeton erstellt werden. Die Jury begrüßt die Idee, den Entwurf auf der Landschaftshistorie aufzubauen. Die dargestellten hohen Bäume auf der Tiefgarage sind jedoch in dieser Form nicht umsetzbar, so dass die waldartige Anmutung nur in Teilbereichen realisierbar ist.
Zwischen den Vegetationsinseln entstehen attraktive Begegnungsräume, die an heißen Tagen gut beschattet sind. Der Platz ist in allen Richtungen flexibel querbar, er verschließt sich nicht zur Stadt ab, sondern korrespondiert mit dem Umfeld. Durch das bepflanzte Wasserbecken im Zentrum der Anlage wird ein interessanter Akzent gesetzt. Die Tiefgarageneingänge werden wie selbstverständlich in den Entwurf integriert.
Außerdem wird positiv von der Jury angemerkt, dass die Freitreppe vor dem Theater gut in den Stadtraum integriert wird. Der geforderte Raum für Außengastronomie und für Veranstaltungen vor der LED Wand wird angeboten. Die Kleinteiligkeit und Uniformität der Vegetationsinseln bewertet die Jury dagegen kritisch. Außer Sitzen und dem Betrachten von Vegetation werden keine Nutzungen angeboten. Barrierefreie Sitzmöglichkeiten sind nicht vorgesehen. Die Wegräume zwischen den Inseln sind sehr eng. Die Jury vermisst außerdem eine ablesbare Wegeanbindung in der diagonalen Hauptachse zum Theaterfoyer. Der vorgeschlagenen beige Betonboden wird kontrovers diskutiert.

Insgesamt gelingt es den Verfassern*innen einen attraktiven Freiraum zu formulieren, der als Wohnzimmer der Stadt hohe Qualitäten entfalten kann. Leider ist das Waldthema in der dargestellten Form kaum umsetzbar und die Nutzungspotentiale der Arbeit werden nicht ausgereizt."

ANERKENNUNGEN:

Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, München

Plan 1:500


Begründung der Jury:

"Der Vorplatz des Badischen Staatstheaters als „grüne Allmenden“ für alle! Der Entwurf bezieht klar Stellung – die meisten funktionalen Anforderungen eines zeitgenössischen Theaters mit intensiver Bespielung des Außenraums werden weitgehend störungsfrei erfüllt und gleichzeitig bietet sich ein vielfältiger Freiraum für die Bewohner*innen der Umgebung an. Es kommt dem Entwurf zu Gute, dass er Offenheit in alle Richtungen anbietet. Positiv wird auch der Versuch gewertet, sich mit dem Vorbereich des Landratsamts westlich der Ettlinger Straße zu verknüpfen. Der Baumbestand wird erhalten und gut in die Struktur eingebunden. Einige Neupflanzungen an der Ettlinger Straße müssten hinsichtlich Kollision mit Leitungstrassen allerdings überprüft werden.
Die helle Färbung des Belags und Überlegungen zur Pflanzenwahl sowie Retention unterstreichen den Anspruch auch klimaangepasst zu agieren und über Biodiversität nachzudenken. Der Haltung der Verfasser*innen und ihrer Interpretation der Planungsaufgabe kann zunächst gefolgt werden. Viele Aktivitäten sollen ermöglicht werden: vom kontemplativen Aufenthalt zwischen blühenden Vegetationshügeln, über zwei Wasserspiele hin zu Holzplattformen für Yoga. Die gewählte Struktur freier, amöbenhafter Formen, die im durchgehenden Ortbetonbelag zu schwimmen scheinen und zahlreiche aktivierbare Zwischenräume bilden, ist auch grundsätzlich geeignet, diesen Anspruch zu erfüllen. Im Ergebnis wirkt der Raum jedoch überfrachtet.
Zu viele Elemente und Formen, zu viele unterschiedliche Materialien, die ganz unterschiedlichen Welten entsprungen zu sein scheinen. Die große Anzahl der Vegetationskissen, Kiesmulden und Retentionsflächen führt zu einer partiell viel zu kleinen Körnung, die weder wahrnehmbare Kraft entfalten noch dem Nutzungsdruck standhalten dürfte. Der Aufenthalt wird letztendlich doch zumeist auf die Ränder der Pflanzinseln reduziert, so dass sich auch das Angebot an potentiellen Schattenplätzen deutlich verringert. Das alternative Angebot an künstlichen Bäumen, berankten baumartigen Stahlkonstruktionen, kann gestalterisch nicht überzeugen. Theater und Platz bleiben sich doch fremd."

Mann Landschaftsarchitektur, Fulda

Plan 1:500


Begründung der Jury:

"Die Jury würdigt, dass die Planverfasser*Innen in diesem Entwurf deutlich herausgearbeitet haben, dass der Hermann Levi Platz auf der östlichen Seite der Via Triumphalis nicht losgelöst von der Frei-fläche westlich der Via Triumphalis zu betrachten ist. [...] Der Entwurf greift in besonderer Weise diese städtebauliche Situation auf und gestaltet durch die Setzung der Flächen und durch die Entscheidung für jeweils charakteristische Gehölze/ Vegetationsstrukturen einen breiten Korridor der sich von außen - Kriegsstraße und Volkswohnung - nach innen entwickelt.
Kritisch diskutiert wurde jedoch der gestalterische „Eintritt“ in die Freifläche mit den niedrigen Gehölzen. [...] Begrüßt wird, dass die Abgrenzung der Flächen in besonderer Weise die räumlich funktionalen Anforderungen vor der Tribüne, dem Haupteingang und dem Café respektiert.
Der beschriebene Grünkorridor wird in einzelne Teilflächen aufgelöst und bietet damit vielfältige Aufenthaltsräume für Nutzergruppen, auch völlig unabhängig von einem konkreten Bezug zum Staatstheater selbst. Damit wird dem Wunsch des Auslobers in besonderer Weise Rechnung getragen, den Platz in vielfältiger Weise - insbesondere auch als Grünfläche für die Innenstadt und als Aufenthaltsfläche für die Stadtgesellschaft - nutzbar zu machen. Zum einen ist die Gestaltung insgesamt damit auf das Staatstheater ausgerichtet, im Detail aber in einzelne Räumliche Bereiche aufgelöst.
Die Idee /Realisierbarkeit dieser Konzeption wird aus der Lage der TG abgeleitet.
Mit der Ausbildung von Pflanzbecken und der Einrahmung durch Sitzbänke wird der Platz profiliert, werden die Sitzbänke
integriert und können tatsächlich eine große Zahl von neuen Baumpflanzungen realisiert werden. [...] Weiteren Forderungen zur Klimaanpassung wird durch die Wasserspiegel entsprochen die mit Fontänen ergänzt und gespeist werden.Als hochwertig und dem Ort angemessen wird die Wahl weniger Materialien gewürdigt. Es handelt sich hier um Gussasphalt mit farbigen Rheinkieseln, der in einem speziellen Verfahren veredelt wird (Terrazzo).Diese Materialität setzt
sich dann auch in den Sitzmöglichkeiten fort."

Vogt Landschaftsarchitekten AG, Zürich

Plan 1:500


Begründung der Jury:

"Der Entwurf schafft durch eine klare räumliche Trennung an den Platzrändern mittels eines vegetativen Blockrandes eine sehr ruhige und hervorragend nutzbare innere Freifläche. Diese ist gegliedert in zwei große grüne Rasenskulpturen die durch ihre topografische Bewerbung interessante visuelle Bezüge herstellen und multifunktional bespielbar sind.
Vor dem Staatstheater entsteht so ein großzügiger Platz der mit einem Wasserwolkenspiegel vor dem Café und der großem Treppe eine sehr hohe Aufenthaltsqualität verspricht. Kritisch diskutiert werden die Heckenunterstandenen Baumpakete am Rand hinsichtlich ihrer Abschottung und Massivität. An einigen Stellen werden die Spartenlagen übergangen.
Dennoch weist die Gestaltung eine sehr positive Bilanz hinsichtlich der unbefestigten und befestigten Flächen auf. Der Ansatz, im städtebaulichen Maßstab des gesamten Raumes über den Ettlinger-Tor-Platz hinaus zu denken wird in dieser Form als nicht zielführend erachtet."